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Der Maler und Grafiker Heinrich Kiefer- ein außergewöhnlicher Mann als Gründer des Neustädter Mal- und Zeichenzirkels

 Herkunft

Heinrich Kiefer wurde am 3. Mai 1911 in Breslau geboren. Als Sohn des Lehrers Hermann Kiefer und der Schriftstellerin Margarete Kiefer-Steffe, die viele Jahre als Lektorin in einem Münchner Verlag arbeitete und mit Schriftstellern wie Gerhart Hauptmann und Stefan Zweig in Verbindung stand, entdeckte er schon bald sein Interesse an Kunst und Literatur. Die vielfältigen geistig- künstlerischen Eindrücke seiner Kindheit prägten seine Entwicklung maßgeblich und sollten auch für seinen weiteren Lebensweg relevant bleiben.

 

Nach Abschluss der Schule (mit dem sogenannten "Einjährigen") absolvierte Heinrich Kiefer eine Lehre als Möbeltischler und nahm anschließend ein Abendstudium an der Kunstschule Breslau im Fach Architektur auf. Die Erkrankung an einem Hirntumor , welche durch eine Encephalitis (Kopfgrippe) während der Lehrzeit hervorgerufen wurde und mit einer Schüttellähmung der linken Extremitäten verbunden war, erschwerte ihm zwar die Studienzeit (sowie sein späteres Berufsleben) erheblich, hinderte ihn aber nicht an einem erfolgreichen Abschluss. In den folgenden Jahren arbeitete Heinrich Kiefer als Innenarchitekt und widmete sich intensiv seiner eigentlichen Leidenschaft, der Malerei und Grafik. Vor allem ab 1935 beteiligte er sich mit seinen Arbeiten an Kunstausstellungen in Breslau, Berlin, Hamburg, Nürnberg, München und Wien. 


Kriegsflüchtlinge 

Die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges zwangen Heinrich Kiefer und seine Familie, die damals aus sechs Personen (einschließlich einer älteren Tante) bestand, 1945 die schlesische Heimat zu verlassen. Als Vertriebene verbrachten sie einige Zeit im Vogtländischen Mylau, lebten dann 1946/47 in Goldisthal im Thüringer Wald und zogen danach in den Eisenhammer bei Neunhofen, bis schließlich Neustadt (Orla) zu ihrer neuen Heimatstadt wurde. Während dieser Zeit verfasste Heinrich Kiefer ein unterhaltsames Tagebuch unter dem Titel „Malergeschichten“ (siehe Anhang 1) und pflegte auch mit großer Disziplin den regelmäßigen Schriftverkehr zu über 100 Briefpartnern.

 

Die Nachkriegszeit war für die Kiefers besonders hart, denn sie hatten vier Kinder zu ernähren. So lebten sie nicht nur in Armut, sondern oft in blanker Not. Hier war es, neben Schulkameraden, Studienkollegen und Freunden der Familie, vor allem der Schriftsteller Hermann Hesse, der Heinrich Kiefer in den schweren Jahren unterstützte und ihm Päckchen und Kleiderpakete zukommen ließ. Als Dankeschön dafür konnte natürlich jeder Helfer mit einer Druckgrafik rechnen. Doch auch geistige Nahrung floss der Familie Kiefer durch viele Bücher von Schriftstellern wie Hugo Hartung, Rudolf Hagelstange, Max Frisch und Hermann Hesse aus dem Westen zu, sodass die kulturelle Entwicklung in Westdeutschland nicht gänzlich an ihnen vorbei ging.


Neuanfang 

Auch Heinrich Kiefers Frau Eva hielt immer fest zu ihm. Obwohl auch sie künstlerisch begabt war, stellte sie ihre Ansprüche zurück und arbeitete sogar als Reinigungskraft, um ihren Mann finanziell zu stützen und die Familie zu versorgen. Mit Hilfe der örtlichen Organe der Stadt Neustadt (Orla) gelang es Heinrich Kiefer, sich ein neues Atelier in der Schillerstraße 1 einzurichten.

 

Mit unermüdlichem Fleiß und großer Hingabe widmete er sich seinem künstlerisch- praktischen Schaffen und versuchte, den Menschen die Schönheit der Natur und Umwelt, aber auch, durch pädagogisches Geschick, den Unterschied zwischen Kunst und Kitsch nahezubringen.

 

Als Mitglied der Künstlergruppe „Die Arnshaugker“, der auch Karl und Dorothea Herrmann, Gertrud Parusel sowie Heinrich R. Ulbricht angehörten, leistete er einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Aufschwung der Orlastadt. 1949 trat Heinrich Kiefer dem Bezirksverband „Bildende Künstler“ bei. Er beteiligte sich an Ausstellungen in Berlin, Leipzig, Erfurt und Weimar.

 


Gründung des Malzirkels

Im Frühjahr 1963 wurden dann verschiedene Arbeiten von Laienkünstlern im Neustädter Rathaussaal präsentiert. Der Erfolg dieser Ausstellung brachte Bürgermeister Franke, in Vorbereitung auf den VI. SED- Parteitag (der unter dem Thema „Kultur“ stand) zu dem Vorschlag, einen Zirkel unter der Leitung Heinrich Kiefers zu bilden. Diese Idee wurde am 6. März 1963 in die Tat umgesetzt und am 23. März 1963 vertraglich festgehalten (siehe Anhang 2). Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Heinrich Kiefer auch Helmut Bauer, Siegfried Reichert und Dieter Wolfram. Somit erfolgte eine „weitere Qualifizierung der Laienschaffenden auf dem Gebiet der Malerei“ sowie eine Verbesserung des Kulturlebens der Stadt Neustadt (Orla).

 

Von Anfang an nahm Heinrich Kiefer seine Aufgaben als Zirkelleiter sehr ernst und kam diesen mit großem Engagement nach. Als Fachkundiger vermittelte er den Zirkelteilnehmern nicht nur verschiedene künstlerische Techniken, sondern lehrte sie auch, die Wirklichkeit mit den Augen des Künstlers zu erfassen und darzustellen. Kunstbetrachtung, selbstschöpferische Tätigkeit, Begeisterung und Anregung zu neuen Themen brachten die Zirkelarbeit voran. Dabei erwies sich Heinrich Kiefer stets als aufmerksamer Beobachter und zuverlässiger Berater der ihm anvertrauten Laienkünstler, für so manches Zirkelmitglied sogar als treuer Freund.

 

Helmut Bauer erinnert sich:

„Heinrich Kiefer war ein Mensch, für den das Wort „Persönlichkeit“ wirklich zutrifft. Denn Maler und Grafiker zu sein, spiegelt nur einen Teilbereich seiner Person wieder. Er war literarisch hoch gebildet, stand im Briefwechsel mit verschiedenen Schriftstellern und da er jeden Sommer für einige Wochen mit seiner Pößnecker Freundin Edith Seifert einen künstlerischen Urlaub an der Ostsee verbrachte, entdeckte Heinrich Kiefer als Fachmann in Geschiebekunde den sechsstrahligen Seeigel. Trotz seiner vielseitigen Bildung war Heinrich Kiefer sehr bescheiden und hegte keinerlei Starallüren. Meist verschenkte er seine Bilder, und wenn er sie doch verkaufte, dann viel zu billig. Seine Armut hinderte Heinrich Kiefer aber nicht daran, gastfreundlich zu sein. Denn wenn er ein Paket von Verwandten aus Westdeutschland erhielt, bedachte er seine Freunde aus dem Malzirkel des öfteren mit der einen Hälfte des Inhaltes, während seine Familie die andere bekam.

Heinrich Kiefer nahm alle ihm gestellten Aufgaben sehr ernst, und als Zirkelleiter war er wirklich gut. Denn er verband Aufmunterung, Lob und Hilfe mit sehr deutlicher Kritik. Während in den ersten Jahren der Versuch, wie Heinrich Kiefer zu arbeiten im Zirkel vorherrschte, entwickelte jedes Zirkelmitglied später seine eigene Stilrichtung.“

 

Heinrich Kiefer war ein sehr empfindsamer, sensibler und idealistischer Mensch. Diese Charaktereigenschaften sind auch in seinen Werken wiederzufinden. Wobei seine besten Arbeiten Landschaftsaquarelle sind, die als sehr ausdrucksstarke Bilder die verschiedensten Stimmungen beim Betrachter hervorrufen. Der Grund für diese enorme Wirkung liegt darin, dass Heinrich Kiefer im Morgendunst, bei hellem Sonnenschein, ja sogar bei Regen und Schneefall in die Natur ging, um zu malen.   

 


Sich selbst treu geblieben

Während der sechziger und zu Anfang der siebziger Jahre spielte Landschaftsmalerei jedoch eher eine sekundäre Rolle, denn die Bilder sollten sozialistischen Charakter tragen. Deshalb malte Heinrich Kiefer auch Porträts von Abgeordneten sowie Aktivisten der sozialistischen Arbeiterklasse und stellte die Werktätigen beim Schaffen in Fabriken und landwirtschaftlichen Betrieben dar. Dabei sah er aber mehr die Menschen an sich, unterhielt sich mit ihnen und versuchte, ihr Wesen in seinen Bildern festzuhalten, denn er war gegen eine künstlerische Propaganda. Erst Ende der siebziger Jahre, als sich die Kunstauffassung der DDR lockerte, fanden seine Bilder zunehmend die verdiente Anerkennung. Doch als sich Heinrich Kiefer endlich auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere befand und seine Arbeiten sehr große Nachfrage erfuhren, hatte sich sein Nervenleiden bereits stark verschlimmert, so dass er vom Äußeren her immer gebrechlicher wirkte.


Das Erbe 

Heinrich Kiefer verstarb am 19. Juli 1980 im Alter von 69 Jahren an Krebs. Die meisten seiner Bilder, darunter auch vieles aus dem unveröffentlichten Projekt „Samen und Früchte“ (siehe Anhang 3), das aus kleinen Feder- und Pinselzeichnungen mit passenden Gedichten besteht, befindet sich heute leider nur zu geringer Anzahl in Ausstellung auf der Burg Ranis. Der größte Teil ist dort archiviert. Einige Werke sind im Privatbesitz seiner Kinder und seiner Freunde vom Malzirkel, während andere im Neustädter Heimatmuseum (siehe Anhang 4) bewundert werden können. Der schriftliche Nachlass, die Autographen sowie die Originale der „Malergeschichten“ sind im Germanischen Museum in Nürnberg aufbewahrt.

 

Heinrich Kiefers Wirken legte nicht nur den Grundstein für die Entstehung des Neustädter Mal- und Zeichenzirkels, sondern prägte auch dessen weitere Entwicklung maßgeblich.

 

(Auszug aus einer Seminararbeit von Sandra Künne, Gymnasium Neustadt/Orla, Untertitel ergänzt von W. Kiefer) 
–Die gesamte Arbeit ist hier zu finden
: malzirkl.htm

 

 

Bilder und Gedichte

Die gerettete Tugend Heinrich Kiefers

Im Rücken das Donnern der Züge und auf der anderen Seite der Teich mit dem Schwanenpaar. 

Gamsenteich 2002

 

Lärm und Stille, dazwischen kaum 100 Meter und das kleine flachdachige Atelier des Heinrich Kiefer. 

Atelier Schillerstraße, jetzt Domizil des Neustädter Mal- und Zeichenzirlels e.V. || Links der Gedenkstein

 

Die großen Scheiben an der Vorderseite sind mit weißem Tuch verhangen und offenbaren dennoch eine Vorliebe des Künstlers, die er von Kind an bewahrt, manchmal unterbrochen, aber nie aufgegeben hat. Da sind Muscheln und Seeigel zu sehen, da liegen Versteinerungen und Mineralien, Organisches und Anorganisches, bizarr und dann wieder schlicht, geordnete Unordnung und sparsame Vielfalt: Diese reichen hinein in das Atelier, in die vielen kleinen Fächer und Schubladen des Sammelschrankes, verweilen an den Wänden mit den Bildern (die häufig gewechselt und ständig überprüft werden, ob sie dem eigenen kritischen Blick und natürlich dem der sachkundigen Besucher gewachsen sind) und verweilen schließlich beim Künstler: gebürtiger Breslauer, studierter Innenarchitekt, passionierter Bibliophiler, leidenschaftlicher Landschafter und Porträtist. Er scheint die Betätigungen seiner Jugend unversehrt in das Alter hinübergerettet zu haben. Die Mutter war Lektorin und korrespondierte mit berühmten Autoren. Der Sohn las die Briefe. Seitdem pflegt er mit Vorsatz eine vergessene Tugend. Sein Briefwechsel ist kaum überschaubar, geschweige zu bewältigen, noch weniger für den Besucher zu erfassen.

 

Nach dem Kriege hat er feine Aquarelle unserer heimischen Früchte und Blumen gemacht und einige seiner Briefpartner um entsprechende Gedichte dazu gebeten. Handschriftliches, zum Teil eigens für diesen Zweck Geschaffenes, kam u.a. von Ricarda Huch, Karl Krolow, Rudolf Hagelstange, G. Eich und Hermann Hesse (letzterer wurde übrigens durch ein Aquarell von Kiefer zum Schreiben einer kleinen Geschichte angeregt); Bilder und Gedichte, zwei dicke Bände von außerordentlich sensibler Machart. Als Lebenshilfe für sich und als unmittelbares Anschauungsmaterial für die Kinder gedacht und in schwerer Zeit mit großer Liebe und stiller Konsequenz zu Ende gebracht, ist es schon fast ein Lebenswerk und auf seine Art durchaus mit ähnlichen Unternehmungen der Alten zu vergleichen. War dort der enzyklopädische Anspruch, so waltet hier ein poetischer: Lyrik und Bild treffen sich nicht an der Peripherie, sondern dort, wo das ursprüngliche Gefühl sich teilt und bildnerischen oder sprachlichen Ausdruck findet.

 

Zweimal im Jahr fährt H. Kiefer von Neustadt nach Hiddensee oder Ahrenshoop, läßt die weiche, oft auf graphischen Blättern, Aquarellen und Leinwand porträtierte Orlalandschaft, die Vorwerke und Weiher hinter sich. Von den Türmen der Dorfkirchen, den Schloten der Fabriken und den Gesichtern der einheimischen Maschinenbauer und Webereiarbeiter bis zu den flachen Fischerhütten, Schiffen und dem Antlitz des Strandwächters sind es einige hundert Kilometer Bahnfahrt, Gewöhnung an neue Dimensionen und Gestaltung anderer Motive, die er zu Hause – auch gemeinsam mit seinem Malzirkel – ausbeutet.

 

Tausende von Menschen sahen bislang Heinrich Kiefers Bilder. Von all den Arbeiten, die ich kenne, haben es mir besonders die Aquarelle und Porträts angetan. Wie der Künstler mit den so unwiederbringlichen Weißflächen des Kartons umgeht und wie er mit der gleichen Sicherheit und Sorgfalt Menschen aufs Papier bringt, ist originär, gültig und von echtem Genuß.

Ernst-O. Luthardt

Veröffentlicht in der „Thüringer Landeszeitung, 08.07.1978

 

Anmerkungen: Das „Blumenbuch“ befindet sich im Besitz des Enkelsohns Holger Wandsleb (Greifswald). Mehrere Versuche einer Veröffentlichung sind bisher leider gescheitert. Dafür gäbe es derzeit keine Nachfrage. Die Pinselzeichnungen für das Projekt „Samen und Früchte“ wurde vom Museum der Burg Ranis angekauft. Einige Blätter daraus sind im Stadtmuseum Neustadt/Orla ausgestellt. 

 

 

Die Poesie des Lebens in Bildern entdeckt

Zum Schaffen des Malers und Grafikers Heinrich Kiefer

Heinrich Kiefer war nie ein Maler der „großen“ Themen. Seine Vorliebe gehörte der Landschaft und dem Stilleben. Nennt man seinen Namen, so verbindet sich dieser sofort mit der Vorstellung von Bildern freundlicher und herber Landschaften, heiterer Gartenecken voller Blüten, man erinnert sich – wenn auch seltener – an Zeichnungen oder Gemälde in der Art der „Schlafenden“, wie sie auf der letzten Bezirkskunstausstellung zu betrachten war.

In all seinen Arbeiten spürt man den Menschen, der mit der Natur, mit ihren vielfältigen Stimmungen und Nuancen zutiefst innerlich verbunden war und ihr künstlerischen Ausdruck verleihen konnte.

Sehr oft war von seiner Tätigkeit als Zirkelleiter und Lehrer die Rede. Viele der ihm zuteil gewordenen Auszeichnungen bezogen sich auf diese wichtige Aufgabe. Sein Name bleibt aber auf immer mit der Landschafts- und Stillebenmalerei unseres Bezirkes verbunden. Diese Arbeiten sind -

 

 

trotz des Bemühens um eine sachlich genaue Wiedergabe – niemals platter Naturalismus. Seine Erlebnisse, sein künstlerisches Anliegen verstand er mittels Farbgestaltung, der Auswahl des charakteristischen Ausschnittes, der Wahl der Darstellungsweise zum künstlerischen Bild zu verdichten. Spricht man von Heinrich Kiefer, so darf auch die Zeit nicht vergessen werden, da er als Mitglied der „Arnshaugker“, in einem Kollektiv von Künstlern seinen Teil leistete zur Vertiefung der Verbindung Arbeiterklasse und Künstler, um die er sich auch bis in die jüngste Vergangenheit als Leiter eines Volkskunstkollektivs bemühte. Als Mitglied der Leitung des Bezirksverbandes Bildender Künstler leistete er in der Zeit des Aufbaus seinen Beitrag zu dem, was heute ist.

Am 19. Juli 1980 verstarb das langjährige Mitglied des Verbandes der Bildenden Künstler, der Maler und Grafiker Heinrich Kiefer. Sein Werk gilt es zu achten und zu pflegen.

Karlheinz Götze

 

 

 

 

 

Erinnerung an unsere Mutter Eva Kiefer

 

...Wollen wir versuchen, Augenblicke des Lebens an uns vorüberziehen zu lassen, um unser Verhältnis zu dem Tag, als Mutti starb, dem Pfingstsonntag diesen Jahres, zu finden.

Nicht jeder Mensch schafft es, 85 Jahre auf dieser Welt zu verbringen. 85 Jahre, die gespickt mit persönlichen Erlebnissen sind, aber auch voll von geschichtlichen Ereignissen, die das Leben ohne eigenes Zutun entscheidend beeinflußten.

Wer in den Wirren des ersten Weltkrieges seine Kinderjahre verbrachte, in dessen Folge seinen Vater verlor und mit Mutter und Bruder in ärmsten Verhältnissen lebte, bleibt von dieser Zeit nicht ungezeichnet.

Sonne in diesen Jahren waren für Mutti ihre Großmutter und drei Kindheitsjahre in Holland. Davon zehrte sie noch Jahrzehnte später. Holland hat sie wohl bis zum Ende als einen unerfüllten Traum in ihrem Herzen bewahrt.

 

In den glücklichsten Zeiten eines Menschen, dann, wenn er jung und verliebt ist, traf sie ein nächster Schlag - sie verlor ihre Mutter und zwei Schwestern. Auch das prägt das Leben. Unser Vati hat ihr aus diesem Tal herausgeholfen. Seit 1939 hatte Mutti ihre eigene Familie.

 

Und dann kamen wir: ich (wegen der zeitlichen Reihenfolge), Reinhard und Ute.

Drei Kinder sollten Glück bedeuten. Doch es kam wieder ein vom einzelnen Menschen unbeeinflußbarer Schicksalsschlag - der zweite Weltkrieg - mit ihm die Flucht und die Not der Nachkriegsjahre.

 

...Trotzdem gaben unsere Eltern nicht auf. In den schwierigsten Zeiten taten beide das, wozu jeder von ihnen in der Lage war. Und die Krönung ihres Lebenswillens war unser jüngster Bruder Wolfgang.

So haben unsere Eltern also mit vier Kindern die Gründung von vier neuen Familien verursacht.

Ob Mutti mit uns immer glücklich war, weiß ich nicht. Sie wird wie jede Mutter ihre Freuden, aber auch Leiden mit uns gehabt haben.

Wir sollten heute nicht leiden, sondern uns freuen, daß Mutti viele schwere, leidvolle Stunden erspart blieben. Wir sollten froh darüber sein, daß nur wenige Wochen der Krankheit ihr Lebensende vorbereiteten. Und diese Zeit durfte sie im Wesentlichen in vertrauter Umgebung und behütet von Ute verbringen. Nicht jedem Menschen widerfährt dieses Glück.

 

Wir wollen Eva Kiefer, geb. Schurmann, geboren am 8.April 1912 in Glogau, Mutter von vier Kindern, Großmutter von 10 Enkelkindern, Urgroßmutter von 17 Urenkeln zu ihrer letzten Ruhe begleiten und ihrer in Dankbarkeit und Ehre gedenken.

Inge Wandsleb geb. Kiefer

 

 

 

Kiefer, Heinrich, deutscher Maler und Graphiker,
*3. 5. 1911  Breslau, ansässig in Neustadt/Orla.

Studium an der Breslauer Handwerker- und Kunstgewerbeschule, dann 1 Jahr an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe ebenda; Lehrer: L.P.Kowalski, Hans Zimbal, Siegfried Haertel und Architekt Gustav Wolf.

Landschaften, Blumen, Bildnisse.

Im Museum Wroclaw (Breslau): Schlesische Landschaft. Mappenwerk: "Aus der Fülle", mit Versdichtungen von Hermann Hesse, Hans Carossa u.a.

Literatur: Schlesien, 5 (1943) p.1,22f. --Volkswacht, 12.1.1955, 18. 6. 55; 20.1.56; 20.3.56

Katalog "Die Ernte" - Ausstellung von Geraer Künstlern in der Stadthalle Gera 1948

-- Thüring. Landeszeitung (Weimar) 14.7.1949, 9.11.55

 

Nach dem Eintrag in:

Hans Vollmer

"Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts"

Dritter Band

VEB E.A.Seemann Verlag Leipzig 1953-1958